Es war ein Arbeitstag, im Februar, also recht frisch draußen.

Ein bewegter Arbeitstag war vorbei und ich fuhr mit der U-Bahn nach Hause. Ohne etwas zu ahnen, ging ich Heim. Daheim öffnete ich die Tür. Damals wohnten wir in der Erlachgasse, Ecke Waldgasse im zehnten Hieb. Zurück zur Tür. Also, als ich die Tür öffnete war ich gleich so richtig geschockt. Ich sah das Waschbecken am Boden liegen und eine fette Blutspur, die ins Zimmer, unserem Wohnzimmer oder wie man es bezeichnen würde führte. Zuerst sah ich gar nichts Relevantes. Bis ich auf die Couch blickte.

Und da warst Du schon. Schlafend auf Deiner Mutter liegend. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht fassen. Du bist schon da, so unangemeldet. Naja, ich hatte sowieso von diesen Dingen keine Ahnung. Aber da lagst Du so still und friedlich schlafend. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, Dich zu nehmen, Dich zu fühlen und ganz leicht an mich zu drücken. Über Deinen Kopf und danach über die Wange streichelnd, konnte ich Dir sogar ein Lächeln abgewinnen.

Einfach ein schöner Moment, dieser erste Augenblick mit Dir. Das Beste war natürlich, das Du meinem Wunsch entsprechend ein Mädchen warst. Eigentlich kann man dieses Gefühl in diesem Moment gar nicht in Worte fassen. Wer das nicht erlebt hat, kann es gar nicht nachempfinden.

Doch jetzt plötzlich, brach ich in totale Panik aus. Was soll ich tun? Was muss ich tun? Ohne wirklich zu überlegen, lief ich in die Apotheke in der Fußgängerzone auf der Favoritenstraße, nebst dem Keplerplatz. Dort angekommen konnte ich vor lauter  Aufregung nicht einmal nach Luft schnappen. Der Apotheker dachte sich wohl, den muss ich beruhigen und füllte mich Mal mit Baldrian ab. Als dies auch nicht half, hatte er sogar noch einen Cognac für mich. Erst jetzt konnte ich ihm schildern, dass Zuhause ein kleines Mädchen Hilfe braucht. Ich  erklärte ihm, dass die Mutter das Kind, also Dich, alleine zur Welt gebracht hatte und auch schon abgenabelt hat. Also riefen wir die Rettung, die auch rasch daher kam. Kurz nachdem ich zurück in der Wohnung war, kam auch schon der Notarzt, nebst 2 Sanitätern die Treppe hoch. Irgendwie verrückt, die Rettung hätte ich ja auch anrufen können, denn neben der Couch stand unser Telefon.

Du wurdest kurz untersucht und auch Deine Mutter. Alle auf die Tragbahre und ab ins Kaiser-Franz-Josef Spital. Ohne mich. Auf meine kurze Frage, was ich denn mit der Nachgeburt machen sollte, die Deine Mutter in einem Billa Sackerl verstaut hatte, meinte der Notarzt nur „das können sie wegwerfen“.  Ich tat wie befohlen und machte mich auf den Weg ins Spital.

Ein neues Leben begann am 19. Februar 1979 um 15 Uhr 30. Dein Leben.

Willkommen in der Welt Barbara. Meine Barbara.